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Editorial Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, Soyen/Waldkraiburg/München

ADHS, Absetzen von Psychopharmaka, COVID-19-Pandemie und psychische Gesundheit

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Übersicht Markus Kölle, Sarah Mackert und Alexandra Philipsen, Bonn

Pharmakotherapie der ADHS im Erwachsenenalter

Ein aktueller Überblick: Therapeutische Prinzipien, wirksame Substanzen und deren Eigenschaften

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten Entwicklungsstörungen in der Kindheit, der Jugend und im Erwachsenenalter. Zu den Symptomen zählen eine Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit, äußere und innere Unruhe sowie übermäßige Impulsivität.
Psychoedukation ist meist die erste und wichtigste Konsequenz einer ADHS-Diagnose. Aktuelle Leitlinien empfehlen je nach Schweregrad der Symptome eine Psychotherapie und/oder Pharmakotherapie. Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin sind in Deutschland zur Behandlung der ADHS bei Erwachsenen zugelassen.
Diese Übersichtsarbeit soll einen Überblick über die aktuell verfügbaren medikamentösen Strategien zur Behandlung der ADHS bieten. Allgemeine Therapieprinzipien, Haupteigenschaften der zur Verfügung stehenden Substanzen und aktuelle Evidenz zu Wirksamkeit und Verträglichkeit werden dargestellt.
Schlüsselwörter: ADHS, Erwachsene, S3-Leitlinie, Psychoedukation, Pharmakotherapie, Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin
Psychopharmakotherapie 2021;28:146–54.

English abstract

Pharmacotherapy in adult ADHD

Attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD) is on of the most common developmental disorders in childhood, adolescence and adulthood. The symptoms are an impaired ability to concentrate, restlessness and impulsivity. In most cases, psychoeducation is the first and most important consequence of an ADHD diagnosis. Current guidelines recommend psychotherapy and/or pharmacotherapy, depending on symptom severity. Methylphenidate, lisdexamfetamine and atomoxetine are approved for the treatment of adult ADHD in Germany. This review is intended to provide an overview of the currently available drug strategies for the treatment of adult ADHD. General therapeutic principles, main characteristics of the available substances and relevant evidence on efficacy and tolerability are discussed.

Key words: ADHD, adult, S3-guideline, psychoeducation, pharmacotherapy, methylphenidate, lisdexamfetamine, atomoxetine

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Übersicht Michael Paulzen, Tobias Schreckenbach und Miriam Kirchner, Aachen

Absetzen von Psychopharmaka

Antidepressiva und Antipsychotika

Die Verordnung von Antidepressiva und Antipsychotika hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, oft bestehen aus guten Gründen lange Verordnungszeiträume der Substanzen, nicht nur bei schwierigen Krankheitsverläufen. Mit jeder neu begonnenen Psychopharmakotherapie sollte aber grundsätzlich auch bereits eine Absetzstrategie ins Auge gefasst werden, da ansonsten Dauermedikationen die Gefahr von pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Wechselwirkungen insbesondere bei Polymedikation verstärken und die Beendigung einer oft langjährig bestehenden Psychopharmakotherapie zu Absetzsyndromen führen kann.
Der Beitrag zeigt, welche Absetzphänomene bei einer Antidepressiva-Therapie zu erwarten sind und wie ihnen begegnet werden kann. Bei der Behandlung mit Antipsychotika wird das Konzept der Supersensitivitätspsychose vorgestellt, ehe mit Ideen zu einer linearen versus einer hyperbolen Dosisreduktion grundsätzliche Vorgehensweisen bei der Dosisreduktion bis hin zum Absetzen von Antipsychotika vorgestellt werden. Therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) kann schließlich dabei helfen, über eine schrittweise Abnahme der Wirkstoffkonzentration eines Psychopharmakons dessen Absetzprozess zu erleichtern.
Schlüsselwörter: Antidepressiva, Antipsychotika, Absetzsyndrom, Rebound, Supersensitivitätspsychose, therapeutisches Drug-Monitoring
Psychopharmakotherapie 2021;28:155–67.

English abstract

Withdrawal of psychotropic drugs. Antidepressants and antipsychotic drugs

The prescription of antidepressants and antipsychotics has grown considerably over the last years. Mostly, there are good reasons for long term prescriptions not only in the courses of a severe mental illness. However, whenever a new psychopharmacotherapy is started, a strategy for a treatment discontinuation should be considered as a matter of principle; otherwise, long term medications increase the risk of pharmacodynamic and pharmacokinetic interactions especially in the case of polymedication. Physicians and patients have to be aware that the cessation of an often long-lasting psychopharmacotherapy may provoke discontinuation- and/or withdrawal symptoms.

The article highlights antidepressant withdrawal symptoms and shows how they can be managed. Regarding antipsychotic pharmacotherapy, the concept of supersensitivity psychosis is presented. With a linear vs. a hyperbolic dose reduction, two fundamentally different approaches for antipsychotic dose reduction are introduced. Finally, the use of therapeutic drug monitoring (TDM) can help to alleviate the occurrence of withdrawal symptoms in the case of treatment discontinuation with psychotropic drugs via a stepwise decline of plasma concentrations.

Key words: Antidepressants, antipsychotics, withdrawal syndrome, rebound, supersensitivity psychosis, therapeutic drug-monitoring

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Diskussionsforum Zuzanna Tkaczynska und Andreas J. Fallgatter, Tübingen

Psychische Gesundheit, Angstzustände und Stress während der Covid-19-Pandemie

Seite 170 -171
Aus der AGNP

AGNP

Elektrokonvulsionstherapie: Neue Arbeitsgruppe der AGNP

Wir freuen uns sehr, an dieser Stelle die Gründung der Arbeitsgruppe Elektrokonvulsionstherapie (EKT) der AGNP bekanntgeben zu dürfen.

Seite 170 -171
Rezension Prof. Dr. Hans-Peter Volz, Werneck

Handlungsorientierte Informationen im Kitteltaschenformat

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Referiert & kommentiert Prof. Dr. Andreas Reif, Frankfurt/M.

Psychedelika

Phase-II Studie zu Psilocybin vs. Escitalopram bei depressiven Erkrankungen

Eine Head-to-Head-Studie bei Patienten bei langjährigen Depressionen ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied für Psilocybin im Vergleich zu Escitalopram. Das Ergebnis legt dennoch die Durchführung größerer Studien nahe.

Seite 172 -183
Referiert & kommentiert Dr. Katrin Wolf, Eitorf

Spinale Muskelatrophie

Erste orale Therapie zur Behandlung der SMA zugelassen

Am 26. März hat die Europäische Kommission Risdiplam für die Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (SMA) bei Patienten ab einem Alter von zwei Monaten, mit einer bis vier Kopien des SMN2-Gens oder einer klinisch diagnostizierten Typ-1-, Typ- 2- oder Typ-3-SMA in Europa zugelassen. Die zugrunde liegenden Studienergebnisse wurden bei einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt.

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Referiert & kommentiert Sabine M. Rüdesheim, Frechen

Multiple Sklerose

Teriflunomid reduziert MS-assoziierten Hirnvolumenverlust

Ein wichtiges Therapieziel bei der schubförmig remittierenden multiplen Sklerose (RRMS) ist, das Hirnvolumen möglichst zu erhalten. Studien belegen bei guter Wirksamkeit und Sicherheit positive Effekte des Immunmodulators Teriflunomid auf die Hirnatrophie, so das Fazit einer von der Firma Sanofi Genzyme veranstalteten Pressekonferenz.

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Referiert & kommentiert Sabine M. Rüdesheim, Frechen

Schubförmige multiple Sklerose

S1P1-Modulator Ponesimod senkt Schubrate signifikant stärker als Teriflunomid

In der OPTIMUM-Studie wurde für den Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-1-(S1P1-)Modulator Ponesimod bei aktiver schubförmiger multipler Sklerose (RMS) eine Verringerung der jährlichen Schubrate sowie der kumulativen Anzahl kombinierter einzelner aktiver Läsionen gegenüber dem aktiven oralen Vergleichspräparat Teriflunomid festgestellt. Diese und weitere Studiendaten präsentierten Experten bei einer von der Firma Janssen veranstalteten Launch-Pressekonferenz.

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Referiert & kommentiert Dr. Alexander Kretzschmar, München

Natalizumab jetzt auch als subkutane Applikationsform

Hochaktive RRMS individualisierter behandeln

Mit der Möglichkeit, Natalizumab auch als subkutane (s. c.) Injektion alle vier Wochen zu verabreichen, wird jetzt die Antikörpertherapie der hochaktiven schubförmig-remittierenden multiplen Sklerose (RRMS) um eine patientenfreundliche Option erweitert. Damit kann man die Therapie auf die individuellen Patientenbedürfnisse besser anpassen, ohne die Kontrolle der inflammatorischen Krankheitsaktivität als übergeordnetes klinisches Ziel aus den Augen zu verlieren. Es entfällt auch die Notwendigkeit, einen Infusionsplatz für die Therapie mit dem Alpha-4-Integrin-Antikörper vorzuhalten.

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Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Epilepsie-Therapie

Neue Option für schwer therapierbare Patienten

Für Patienten mit schwer therapierbarer Epilepsie steht ein neues Medikament zur Verfügung. Ende März 2021 hat die Europäische Kommission das Antiepileptikum Cenobamat zugelassen. Es kann zur adjunktiven Behandlung von Erwachsenen mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung eingesetzt werden, wenn eine vorangegangene Behandlung mit mindestens zwei Antiepileptika nicht ausreichend wirksam war.

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Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Morbus Alzheimer

Donanemab reduziert Amyloid-Plaques

Mit einem Kommentar des Autors
In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie bei 257 Patienten mit beginnender Alzheimer-Krankheit führte Donanemab, ein monoklonaler Antikörper, der an Beta-Amyloid bindet, zu einer minimalen Besserung kognitiver Funktionen.

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Referiert & kommentiert Sabine M. Rüdesheim, Frechen

Migräneprophylaxe mit CGRP-Antikörpern

Fremanezumab – auch vierteljährlich appliziert erfolgreich

CGRP-Antikörper (CGRP: Calcitonin-gene-related-peptide) überzeugen bei der prophylaktischen Migränebehandlung in puncto Wirksamkeit und Verträglichkeit. Auch im Versorgungsalltag haben sie sich bewährt: Für besonders mobile Menschen steht Fremanezumab auch in einer Quartalsdosierung zur Verfügung. Studiendaten und Praxiserfahrungen wurden bei einem von Teva veranstalteten virtuellen Symposium im Rahmen des Schmerz- und Palliativtags 2021 diskutiert.

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Referiert & kommentiert Dr. med. Kirsten Westphal, Heimstetten

Migräne

CGRP-Antikörper bringt den Alltag zurück

Migräne geht mit einer hohen Beeinträchtigung einher, auch in der Phase zwischen den Migräne-Attacken. Galcanezumab, ein gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gerichteter monoklonaler Antikörper, ermöglicht Migräne-Patienten eine starke und spürbar schnelle sowie zuverlässig anhaltende Reduktion der Migräne-Kopfschmerztage, eine reduzierte Gesamtschmerzlast und eine verbesserte Lebensqualität auch zwischen den Attacken. Erfahrungen aus der Praxis wurden bei einer Pressekonferenz der Firma Lilly im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtags diskutiert.

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Referiert & kommentiert Dipl. oec.-troph. Saskia Fechte, Stuttgart

Migräne

Schnellere Symptomfreiheit mit frühzeitiger Eptinezumab-Infusion

Eptinezumab aus der Klasse der monoklonalen Antikörper ist in den USA für die Migräneprävention bei Erwachsenen zugelassen. Die intravenöse Verabreichung zu Beginn einer Migräneattacke erreichte im Vergleich zu Placebo eine schnellere Linderung und größere Episodenabstände.