Psychopharmakotherapie bei Menschen mit intellektueller Entwicklungsstörung


Die Sicht von Betreuungspersonal aus stationären Wohneinrichtungen

Matthias Schützwohl, Dresden, Nicole Stasch, Lea Mayer, Günzburg, Indra Krönke, Annegret Reupert, Dresden, und Silvia Krumm, Günzburg

Hintergrund: Die Psychopharmakotherapie von Menschen mit intellektueller Entwicklungsstörung (IE) wird speziell mit Blick auf die Versorgung von in institutionalisierten Wohnformen lebenden Menschen mit IE kritisch bewertet. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Bewertung der Qualität der Psychopharmakotherapie sowie die Identifizierung einrichtungsspezifischer Rahmenbedingungen und Faktoren, die das Ausmaß der Leitlinienadhärenz beeinflussen können. Zudem sollten aus der Versorgungspraxis heraus Anregungen zur Verbesserung der Psychopharmakotherapie erhoben werden.
Methoden: Mitarbeiter von Wohnheimen für Menschen mit IE wurden im Rahmen einer anonymen Onlinebefragung mittels selbst entwickeltem Erhebungsbogen befragt.
Ergebnisse: Die Studienteilnehmer (n = 350) beurteilten die Qualität der Psychopharmakotherapie differenziert und zum Teil sehr kritisch. Es fand sich der Hinweis, dass die Leitlinienadhärenz vielfach bereits durch die Modifikation spezifischer Rahmenbedingungen verbessert werden kann. Ergänzend wurden folgende Verbesserungsvorschläge hinsichtlich der Psychopharmakotherapie genannt: Schließen bestehender Versorgungslücken, Verbesserung des Wissensstands, stärkere Patientenzentrierung und Einbezug des Umfelds, Gewährleistung einer umfassenden Diagnostik und regelhafter Kontrollen sowie kritischer Umgang mit Psychopharmaka und Einsatz von Alternativen bzw. Ergänzungen zu Psychopharmaka.
Schlussfolgerung: Die Psychopharmakotherapie von in institutionalisierten Wohnformen lebenden Menschen mit IE kann durch die Etablierung im Rahmen aufsuchender Arztvisiten stattfindender Fallkonferenzen verbessert werden. Es bedarf darüber hinaus aber umfassender struktureller Veränderungen, um die von den Studienteilnehmern identifizierten Versorgungslücken zu schließen.
Schlüsselwörter: Intellektuelle Entwicklungsstörung, Psychopharmakotherapie, Leitlinienadhärenz, Wohnbetreuung, Onlinebefragung
Psychopharmakotherapie 2022;29:96–105.

Liebe Leserin, lieber Leser, dieser Artikel ist nur für Abonnenten der PPT zugänglich.

Sie haben noch keine Zugangsdaten, sind aber PPT-Abonnent?

Registrieren Sie sich jetzt:
Nach erfolgreicher Registrierung können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse und Ihrem gewählten Passwort anmelden.

Jetzt registrieren