Multiple Sklerose

THC:CBD-Oromukosalspray bewährt sich als Add-on-Therapie bei MS-induzierter Spastik


Dr. med. Kirsten Westphal, Heimstetten

Eines der häufigsten Symptome der multiplen Sklerose (MS) ist die Spastik, die zudem eine der Hauptursachen für schwere Einschränkungen darstellt. Wenn herkömmliche antispastische Therapien an ihre Grenzen stoßen, kann das THC:CBD-Oromukosalspray Nabiximols eine wertvolle Add-on-Option darstellen, wie in einer von Almirall veranstalteten Pressekonferenz ausgeführt wurde.

In der MS-Therapie hat es in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gegeben, etwa durch immunmodulatorische Behandlungsansätze. Möglicherweise dadurch begünstigt, ist die Wahrnehmung für die symptomatische Therapie zurückgegangen, und zwar sowohl auf der Seite des Behandlers als auch auf Patientenseite. Dies ist kritisch, da trotz neuer Therapien die mit einer MS einhergehenden Symptome nach wie vor eine Herausforderung darstellen. Dabei zählt die MS-induzierte Spastik zu den häufigsten MS-Symptomen und ist eine der Hauptursachen für schwere Einschränkungen.

Spastik betrifft bis zu 84 % der MS-Patienten. Die Intensität ist meist fluktuierend und über die Zeit zunehmend, die Beine sind häufiger als die Arme betroffen. Damit verbunden sind Einschränkungen von Mobilität, Gang und Lebensqualität. MS-Patienten berichten häufig von unspezifischen Beschwerden, die ihren Alltag beeinflussen. Vielfach werden diese dem Arzt gegenüber jedoch nicht angesprochen und bleiben daher unbehandelt. Dazu gehören beispielsweise Mobilitätseinschränkungen durch erhöhte Muskelspannung und -steifigkeit, reduzierte Geschicklichkeit durch mangelnde Beweglichkeit der Extremitäten, sozialer Rückzug durch nachlassende Gehfähigkeit und Standunsicherheit, Kontrollverlust und Scham durch Blasenfunktionsstörungen und eine geringere Belastbarkeit im Alltag durch ständige Schmerzen.

Idealerweise sollten mit der gewählten antispastischen Therapie nicht nur einzelne, sondern möglichst viele der Symptome adressiert werden. Herkömmliche antispastische Standardtherapien wie Baclofen oder Tizanidin sind oft nicht ausreichend wirksam und können in höheren Dosierungen zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen [1, 4].

Eine Therapieoption kann für diese Patienten das THC:CBD-Oromukosalspray Nabiximols (Sativex®) darstellen, das sich gegen verschiedene Spastiksymptome als wirksam erwiesen hat. So konnten beispielsweise Spastik- und Schmerz-Scores [5] sowie das Gehen (erhöhte Geschwindigkeit, Schrittfrequenz, Schrittlänge) verbessert werden [2]. In einer multizentrischen, doppelblinden, randomisierten und Placebo-kontrollierten Langzeitstudie über 48 Wochen mit 121 MS-Patienten und Spastik zeigten sich weder eine Verschlechterung der Kognition noch der Stimmung [7]. Daten aus einem italienischen Register bestätigen Effekte jenseits der Spastik wie eine Verbesserung von Schlafstörungen und Stimmung, unabhängig von der initialen Response im Hinblick auf die antispastische Wirkung [6].

Dies hängt mit der Kombination der in diesem Fertigarzneimittel in einem definierten Verhältnis enthaltenen Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) zusammen, die sowohl synergistische als auch antagonistische Effekte haben: Während THC eine psychostimulierende Wirkung hat, antagonisiert CBD diese Wirkung, sodass es sehr selten zu stimulierenden Effekten kommt, wie sie unter THC gesehen werden. Gleichzeitig kann CBD bestimmte therapeutische Effekte des THC noch verstärken [7].

Das THC:CBD-Oromukosalspray ist das einzige in Deutschland zugelassene Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis zur Add-on-Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS und seit mittlerweile zehn Jahren in Deutschland verfügbar. Seitdem wurden mit Nabiximols in der täglichen Praxis umfassende Erfahrungen gesammelt, die für die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Fertigarzneimittels sprechen. So zeigte unter anderem eine Studie zur Fahrtüchtigkeit keine signifikante Verschlechterung der Leistung in einzelnen Dimensionen des Fahrtests unter Nabiximols [3].

Quelle

Prof. Dr. Orhan Aktas, Düsseldorf, virtuelle Pressekonferenz „Symptomatische MS-Therapie mit Sativex® im Jahr 2021: Auslaufmodell oder aktueller denn je?“, 25. Februar 2021, veranstaltet von Almirall.

Literatur

1. Chang E, et al. Crit Rev Phys Rehabil Med 2013;25:11–22.

2. Coghe G, et al. J Neurol 2015;262:2472–7.

3. Freidel M, et al. Acta Neurol Scand 2015;131: 9–16.

4. Koehler J. Eur Neurol 2014;71(Suppl 1):10–5.

5. Markovà J, et al. Int J Neuroscience 2019;129:119–28.

6. Patti F, et al. Neurol Sci 2020;41:2905–13.

7. Vachová M, et al. J Mult Scler 2014;01:02.

Psychopharmakotherapie 2021; 28(03):131-143