Hausarzt und Psychopharmaka


Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, Soyen

Psychopharmaka in der Hausarztpraxis

Patienten erkennen, verstehen und erfolgreich behandeln

Von Daniel Schüpbach und Otto Dietmaier. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2021. XX, 284 Seiten, 18 Farbabbildungen, 78 farbige Tabellen. Auch als E-Book erhältlich. Kartoniert 34,80 Euro. ISBN 978-3-8047-3946-8. E-Book 34,80 Euro. ISBN 978-3-8047-4221-5.

Psychopharmaka gehören zu den meist verordneten Arzneimitteln, Hausärzte sind zumeist die erste Anlaufstelle von Patienten mit psychischen Beschwerden und Symptomen, sodass es nicht überrascht, dass Hausärzte und hausärztlich tätige Internisten in Deutschland mehr Psychopharmaka verordnen als die Psychiater/Nervenärzte. Verdienstvolles Anliegen dieses Buches ist deshalb, Wissen und Kompetenz der Hausärzte hinsichtlich Psychopharmakologie und Psychopharmakotherapie zu verbessern. Auf 277 Seiten werden vier Schwerpunktkrankheiten abgehandelt: affektive Störungen, Schizophrenien, Angststörungen und Schlafstörungen. Gegliedert in 13 Kapitel werden Epidemiologie, Ätiologie, Diagnose, sodann Allgemeines zur Therapie und dann die entsprechende Substanzklasse – Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer, Antipsychotika, Tranquilizer und Hypnotika – dargestellt.

Im allgemeinen Teil werden zu den vier Krankheiten Symptome und Behandlungsziele, Verläufe, Komorbiditäten, psychosoziale Aspekte und die Sicht von Patienten und Angehörigen, illustriert durch Fallschilderungen beschrieben. Zur Therapie werden allgemeine Gesichtspunkte, dann die Therapiephasen Notfall, Akuttherapie, Erhaltungstherapie, aber auch Kombinationstherapien gut verständlich abgehandelt. Auch die wichtigen Kapitel Therapieumstellung, Kontrolluntersuchungen und Adhärenz finden sich abgerundet durch Behandlungsleitlinien und Tipps und Empfehlungen zur Therapie in der Hausarztpraxis. Zu Komorbiditäten werden genaue Zahlenangaben gemacht, hier wären Circa-Angaben adäquater. Die Darstellung der Substanzklassen gliedert sich sinnvollerweise in Definition, Einteilung, Pharmakologie, Indikationen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen, Interaktionen und den klinisch-praktisch wichtigen Bereich Schwangerschaft und Stillzeit.

Eine gute Idee stellen kompakte Faktenblätter zu psychiatrischen Notfällen/klinischen Fragestellungen dar. Die 13 Themen umfassen unter anderem Vorgehen bei akuter Suizidalität und Management von Lithium. Einige Themen scheinen wegen ihrer Seltenheit oder Auftreten nur in der stationären Akutversorgung nicht für die Hausarztpraxis relevant (malignes neuroleptisches Syndrom, Delir-Therapie, Erregungszustand bei Manie).

Im Anhang findet sich eine kompakte Substanz-Übersichtstabelle von 94 Psychopharmaka. Hier stellt sich die Frage, inwieweit dies Hausarztpraxis-gerecht ist, sinnvollerweise sollte der Allgemeinarzt mit etwa fünf bis sechs Psychopharmaka Erfahrung sammeln und diese verordnen.

Literatur findet sich praktischerweise teilweise am Ende der jeweiligen Kapitel, aber nicht durchgängig. Die umfangreiche Literatur zu Kapitel 4 gehört zum Beispiel teilweise zu Kapitel 1 bzw. 2. Die wiedergegebenen Abbildungen bedürfen zum Teil einer Quellenangabe, die Abbildung zur Höhenangst scheint klinisch wenig passend.

Das vorgelegte Buch ist wichtig und verdienstvoll. Hinsichtlich des Umfangs bleibt der schwierige Spagat zwischen einem „kompakten, einfachen Kochbuch“ und einem anspruchsvolleren, fundierten Werk zum Nachschlagen. In der Hausarztpraxis sind „psychosomatische Störungen“, „Anpassungsstörungen“ sowie „Schmerzsyndrome“ besonders häufig. Hier ist die häufig praktizierte Psychopharmakotherapie besonders schwierig. Demenzen und Alkoholabhängigkeit werden medikamentös unterversorgt. In einer sicherlich erfolgenden und wünschenswerten Neuauflage sollten diese Bereiche mit abgehandelt werden.

Psychopharmakotherapie 2021; 28(03):133-133