Schizophrenietherapie

Paliperidon ER schafft Voraussetzung für Compliance


Dr. med. Nana Mosler, Wiesbaden

Durch ausgeprägte antipsychotische Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit bringt Paliperidon ER (Invega®) Lebensqualität für Schizophrene. Für Patienten mit Mehrfachmedikation oder Substanzmissbrauch führt das geringe Interaktionspotenzial des Wirkstoffs zu mehr Arzneimittelsicherheit und weniger Nebenwirkungen. Die Umstellung auf Paliperidon ER eröffnet damit die Chance für bessere Adhärenz und größere Zufriedenheit der Patienten und somit für ein gutes klinisches Ergebnis.

Das Risiko von Interaktionen über das Cytochrom-P450-(CYP-)System ist bei Patienten mit Schizophrenie hoch: Etwa 40% aller Patienten nehmen drei oder mehr psychotrope Medikamente ein [1]. Oft sind zusätzlich internistische Medikamente erforderlich. Außerdem ist Substanzmissbrauch in Form von Nikotin, Alkohol oder Drogen eher die Regel als die Ausnahme. Mehr als 50% der Medikamente und viele Alltagsdrogen werden über das CYP-System verstoffwechselt und können hepatische Enzyme induzieren oder inhibieren. Dadurch erhöht sich das Risiko von Wirkungsverlust oder Nebenwirkungen.

Paliperidon ER wird überwiegend unverändert renal eliminiert, so dass kaum klinisch relevante Interaktionen über das CYP-System zu erwarten sind. Es ist auch keine Dosisanpassung wegen Leberfunktionsstörungen oder bei Rauchern erforderlich. Zugleich flutet Paliperidon dank der osmotisch regulierten Retardformulierung in Paliperidon ER gleichmäßig über 24 Stunden an. Bei nur einmal täglicher Einnahme werden so gleichmäßige Wirkstoffkonzentrationen im Blut erzielt und unerwünschte Wirkungen, die mit fluktuierenden Plasmaspiegeln und hohen Konzentrationsspitzen verbunden sind, reduziert. Bei verminderter Wirksamkeit sollte man – neben Non-Compliance – auch an die Möglichkeit von genetischen Polymorphismen wie den Ultra-Rapid- oder Poor Metabolizer denken.

Vorteile in der Akut- und Erhaltungstherapie

In einer offenen, sechswöchigen multizentrischen Studie mit 294 Patienten mit einer akuten Exazerbation der Schizophrenie (PANSS-Gesamtwert bei Baseline ≥70) verbesserte sich unter Paliperidon ER (3–12 mg/Tag) bei zwei von drei Patienten (66,3%) der PANSS-Gesamtwert um mindestens 30%. Der Anteil der Patienten, der zu Beginn der Studie gemäß der CGI-S-Skala als „schwer erkrankt“ eingestuft wurde, sank unter der Therapie mit Paliperidon ER von 74,1% auf 20,0%. Nahezu die Hälfte der Patienten (48,3%) konnte bei Studienende als nur noch „leicht“ oder „nicht mehr krank“ eingestuft werden. Auffallend war auch die signifikant verbesserte Schlafqualität sowie eine deutlich verminderte Tagesmüdigkeit (p<0,0001) [2].

An einer weiteren Phase-IV-Studie nahmen 81 nicht akut erkrankte Schizophrenie-Patienten teil, bei denen sich andere Antipsychotika wie Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol oder Haloperidol bereits als nicht ausreichend wirksam erwiesen hatten. Wie die Interimsanalyse nach drei Monaten zeigt, führte die Umstellung auf Paliperidon ER zu deutlichen Fortschritten: Der PANSS-Wert und klinische Gesamteindruck verbesserten sich signifikant, die Anzahl der als „nicht mehr krank“ oder nur noch „leicht krank“ eingestuften Patienten verdoppelte sich (19,8% vs. 49,4%) und das psychosoziale Funktionsniveau steigerte sich signifikant (alle p<0,0001) [3].

Quellen

1. Haen E. Datenbank der AGATE 2004

2. Schreiner A, et al. Safety, tolerability and treatment response of flexible doses of paliperidone ER in acutely exacerbated patients with schizophrenia. Posterpräsentation auf dem Kongress der World Psychiatric Association, Florenz, 1. bis 4. April 2009.

3. Schreiner A, et al. Safety, tolerability and efficacy of flexible doses of paliperidone ER in non-acute patients with schizophrenia. Posterpräsentation auf dem Kongress der World Psychiatric Association, Florenz, 1. bis 4. April 2009.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Messer, Augsburg,
Dr. Thomas Wobrock, Göttingen. Pressegespräch „Die Pharmakologie von INVEGA® und ihre Bedeutung für Wirksamkeit, Verträglichkeit und Patientenzufriedenheit“, Berlin, 23. Juni 2009, veranstaltet von Janssen-Cilag Pharma GmbH.

Psychopharmakotherapie 2009; 16(06)