Epilepsie

Vergleich unterschiedlicher Antiepileptika zur Behandlung partieller Epilepsien


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

Lamotrigin ist besser wirksam als Carbamazepin und eine kostengünstigere Alternative für Patienten mit partiellen Anfällen, so das Ergebnis eines Vergleichs verschiedener Antiepileptika.

Es gibt eine Vielzahl von Antiepileptika, die zur Behandlung partieller Anfälle zugelassen sind. Als Standard-Antiepileptikum gilt Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Dies beruht auf einer relativ großen Zahl Plazebo-kontrollierter Studien und von Vergleichsstudien, die zeigen, dass Carbamazepin eine gute Wirksamkeit hat, bezogen auf das Zeitintervall bis zum nächsten Anfall und die Zahl der Patienten, die über einen Zeitpunkt von einem Jahr anfallsfrei bleiben. Wirklich große Vergleichsstudien verschiedener Antiepileptika fehlen allerdings bisher. In England wurde daher eine große nicht verblindete, randomisierte kontrollierte Studie begonnen, in die 1721 Patienten mit partiellen epileptischen Anfällen aufgenommen wurden, bei denen Carbamazepin eine Behandlungsalternative darstellte. Die Patienten wurden zu gleichen Teilen auf Carbamazepin, Gabapentin (z.B. Neurontin®), Lamotrigin (z.B. Lamictal®), Oxcarbazepin (Timox®, Trileptal®) und Topiramat (Topamax®) randomisiert. Die Patienten wurden nach 3, 6 und 12 Monaten und anschließend einmal pro Jahr im Krankenhaus nachuntersucht. Es gab zwei primäre Zielkriterien:

Die Zeit von der Randomisierung bis zum Versagen der Therapie definiert als Absetzen der Studienmedikation, weil entweder keine Anfallskontrolle erfolgte oder Nebenwirkungen auftraten oder ein weiteres Antikonvulsivum hinzugegeben wurde

Anteil der Patienten, der über ein Jahr anfallsfrei blieb

Die Behandlung erstreckte sich über maximal sechs Jahre und betrug im Mittel etwas mehr als drei Jahre. Für den ersten primären Endpunkt war Lamotrigin signifikant besser wirksam als Carbamazepin, Gabapentin und Topiramat und hatte eine vergleichbare Wirkung wie Oxcarbazepin. Für den zweiten Endpunkt war Carbamazepin signifikant besser als Gabapentin und tendenziell besser wirksam als Lamotrigin, Topiramat und Oxcarbazepin.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen waren am häufigsten bei Gabe von Carbamazepin und Topiramat und am seltensten bei Gabe von Lamotrigin und Gabapentin. Zusammengefasst zeigt diese Studie, dass Patienten mit fokalen Anfällen in der Primärtherapie zunächst mit Lamotrigin behandelt werden sollten.

Kommentar

Das englische Gesundheitssystem stellt immer wieder umfangreiche Mittel zur Verfügung, um klinisch wichtige Fragestellungen in großen prospektiven Studien zu untersuchen. Für ein Gesundheitssystem ist es außerordentlich wichtig, zu wissen, welches Antiepileptikum in der Primärtherapie fokaler Anfälle bei Patienten, die keine Kombinationstherapie benötigen und die üblicherweise beim niedergelassenen Neurologen oder Nervenarzt betreut werden, auf der einen Seite die beste Wirksamkeit und auf der anderen Seite die wenigsten Nebenwirkungen hat. Um diese Frage zu beantworten ist es nicht notwendig, Plazebo-kontrollierte Studien durchzuführen, sondern es genügt, randomisierte Studien mit großen Patientenzahlen über große Zeiträume durchzuführen. Alle diese Bedingungen werden von der vorliegenden Studie erfüllt. Es zeigt sich relativ eindrucksvoll, dass Lamotrigin bei relativ wenigen Nebenwirkungen die beste Wirksamkeit hat. Es löst damit als Antiepileptikum der ersten Wahl Carbamazepin ab. Die moderneren Antiepileptika schneiden schlechter ab: Gabapentin wegen geringerer Wirksamkeit und Topiramat wegen vermehrter Nebenwirkungen.

Quelle

Marson AG, et al., on behalf of the SANAD Study Group. The SANAD study of effectiveness of carbamazepine, gabapentin, lamotrigine, oxcarbazepine, or topiramate for treatment of partial epilepsy: an unblinded randomised controlled trial. Lancet 2007;369:1000–15.

Psychopharmakotherapie 2007; 14(06)