Generalisierte Anfälle

Valproinsäure weiterhin Antiepileptikum der ersten Wahl


Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

In einer großen randomisierten kontrollierten Studie in England wurden 716 Patienten mit generalisierten Anfällen entweder mit Valproinsäure, Lamotrigin oder Topiramat behandelt. Über alle Patienten hinweg war Valproinsäure signifikant besser wirksam als Topiramat und gleich wirksam wie Lamotrigin. Für Patienten mit idiopathischen generalisierten Anfällen war allerdings Valproinsäure wirksamer als Lamotrigin und Topiramat.

Epilepsie ist eine häufige Erkrankung und betrifft 0,5 bis 1% der Bevölkerung. Man unterscheidet prinzipiell zwischen fokalen und generalisierten Anfällen. Von den klassischen Antiepileptika wird bei generalisierten Anfällen als Antiepileptikum der ersten Wahl Valproinsäure (z.B. Ergenyl®) empfohlen.

Studiendesign

Die englische Arbeitsgruppe führte eine große prospektive randomisierte und kontrollierte offene Studie durch, in der 716 Patienten aufgenommen wurden, davon etwa 63% mit einer idiopathischen generalisierten Epilepsie. Die Patienten wurden auf Valproinsäure, Lamotrigin (z.B. Lamictal®) oder Topiramat (Topamax®) randomisiert, wobei die Dosis des Antiepileptikums dem behandelnden Arzt überlassen wurde. Die Behandlung erfolgte zwischen 1999 und 2004 und die letzten Beobachtungen wurden Anfang 2006 abgeschlossen.

Ergebnisse

Der erste Endpunkt der Studie war die Zeit von der Randomisierung bis zum Versagen der Medikation. Hier war über alle Patienten hinweg Valproinsäure besser wirksam als Topiramat (Odds-Ratio [OR] 1,57; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 1,19–2,08), aber nicht signifikant verschieden von Lamotrigin (1,25 [0,94–1,68]. Bei den Patienten mit idiopathischer generalisierter Epilepsie war Valproinsäure beiden anderen Antiepileptika überlegen (OR vs. Lamotrigin 1,55 [1,07–2,24]; vs. Topiramat 1,89 [1,32–2,70]).

Der zweite Endpunkt war die Dauer von der Randomisierung bis zu einem einjährigen Zeitraum von Anfallsfreiheit. Auch hier war Valproinsäure insgesamt signifikant besser wirksam als Lamotrigin (OR 0,76 [0,62–0,94]) mit einer nicht signifikanten Überlegenheit gegenüber Topiramat (OR 0,93 [0,76–1,15]. Die Unterschiede bei den Patienten mit idiopathischer generalisierter Epilepsie waren ausgeprägter (OR vs. Lamotrigin 0,68 [0,53–0,89], vs. Topiramat 0,82 [0,64–1,06]). Lamotrigin wurde am besten vertragen. Die meisten Nebenwirkungen hatte Topiramat, wobei hier die Persönlichkeitsveränderungen ganz im Vordergrund stehen.

Kommentar

Diese große, in England durchgeführte Studie wurde vom englischen Gesundheitssystem finanziert. Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass bei Patienten mit generalisierten Anfällen weiterhin Valproinsäure die Therapie der ersten Wahl ist, da es zwar etwas schlechter verträglich, aber signifikant wirksamer ist als Lamotrigin. Diese Präferenz muss allerdings überdacht werden, wenn Frauen behandelt werden, die im gebärfähigen Alter sind und keine zuverlässige Kontrazeption betreiben. Valproinsäure ist teratogen und kann zu Neuralrohrdefekten führen.

Quelle

Marson AG, et al., on behalf of the SANAD Study Group. The SANAD study of effectiveness of valproate, lamotrigine, or topiramate for generalised and unclassifiable epilepsy: an unblinded randomised controlled trial. Lancet 2007;369:1016–26.

Psychopharmakotherapie 2007; 14(06)