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25. Jahrgang Heft 1 Februar 2018

Editorial
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, Federführender Herausgeber, Soyen/Waldkraiburg/München


Übersichten
Tobias Krieger, Bern, Jan Philipp Klein, Lübeck, Steffen Moritz, Hamburg, und Thomas Berger, Bern
Evidenz und Stellenwert in der Praxis

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Obwohl es verschiedene wirksame Behandlungen gibt, erhält nur ein geringer Anteil der Betroffenen eine angemessene Depressionsbehandlung. In den letzten Jahren wurden Internet-basierte Interventionen intensiv beforscht. Die vorliegende Übersichtsarbeit hat zum Ziel, den aktuellen Forschungsstand zusammenzufassen. Generell zeigt sich, dass Internet-basierte Interventionen vielversprechende effektive Alternativen und/oder Ergänzungen zu bestehenden Depressionsbehandlungen darstellen können. Verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Internet-basierten Interventionen werden vorgestellt und deren Effektivität besprochen. Zudem werden Forschungsergebnisse zum Einsatz in Kombination mit Psychopharmakotherapie und die optimale Implementierung von Internet-basierten Interventionen bei Depression vorgestellt.

Schlüsselwörter: Internet, Depression, Psychotherapie, Pharmakotherapie, Internet-Therapie, Selbsthilfe

Psychopharmakotherapie 2018;25:2–8.

Internet-based interventions for depression

Depression is one of the most frequent mental health problems. Although there are several effective treatment options, only few individuals in need receive an appropriate treatment. During the last few years, research on internet-based interventions has grown rapidly. The aim of the present review is to summarize the current empirical evidence. In sum, internet-based interventions have shown to be promising and effective alternatives and/or adjuncts for existing treatment options. Various possible applications and their evidence are presented. Moreover, research findings on their use in combination with pharmacotherapy and the optimal dissemination and implementation of internet-based interventions for depression are discussed.

Key words: Internet, computer, depression, psychotherapy, pharmacotherapy, internet-based treatment, self-help



Isabella Stuckart, Timo Siepmann, Heinz Reichmann und Kristian Barlinn, Dresden

Etwa ein Drittel aller Patienten erkranken innerhalb der ersten fünf Jahre nach einem Schlaganfall an einer Depression. Eine Post-Schlaganfall-Depression ist mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität vergesellschaftet. Die Genese der Erkrankung ist weitgehend unverstanden, wobei neben psychosozialen Aspekten auch neurobiologische Faktoren wie zum Beispiel eine Störung des zerebralen Monoamin-Stoffwechsels, eine Funktionsstörung des hypothalamisch-hypophysären Regelkreises und eine Hemmung der adulten Neurogenese angenommen werden. Die Erkennung der Post-Schlaganfall-Depression ist aufgrund einer möglichen Maskierung durch schlaganfallbezogene Symptome erschwert, wodurch eine angemessene Behandlung der Erkrankung häufig nicht erfolgt. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien dokumentieren einen günstigen Effekt einer pharmakologischen antidepressiven Therapie auf die Remissionshäufigkeit bzw. Symptomausprägung der Post-Schlaganfall-Depression. Ein günstiges Wirkungs-/Nebenwirkungsprofil von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern rechtfertigt deren bevorzugten Einsatz bei Patienten mit Schlaganfall. Daten aus kleineren randomisierten kontrollierten Studien und einer Metaanalyse weisen zudem auf einen unabhängig von einer Depression vorliegenden positiven Effekt dieser Substanzgruppe auf die neurologische bzw. funktionelle Rekonvaleszenz nach einem Schlaganfall hin. Klinische Studien prüfen gegenwärtig diesen Effekt an größeren Patientenpopulationen. Eine antidepressive Therapie nach Schlaganfall sollte sorgfältig auf etwaige pharmakologische Interaktionen geprüft werden, da Patienten mit akutem Schlaganfall häufig an vaskulären und metabolischen Begleiterkrankungen leiden und zumeist bereits mit multiplen Arzneistoffen behandelt werden.

Schlüsselwörter: Schlaganfall, Depression, Pharmakotherapie, Arzneimittelinteraktionen

Psychopharmakotherapie 2018;25:9–20.

Selective serotonin reuptake inhibitors in the treatment of post-stroke depression

About one out of three patients suffer from depression during the first five years following acute stroke. Post-stroke depression is associated with increased morbidity and mortality. The etiology, however, is largely unknown, whereby psychosocial aspects and neurobiological factors such as deficiency of cerebral monoamine neurotransmitters, hypothalamic-pituitary-adrenal dysfunction and inhibition of adult neurogenesis are hypothesized. The identification of post-stroke depression is hampered by possible masking of stroke-related symptoms that commonly hinders adequate treatment of the disease. Several randomized controlled trials have shown a beneficial effect of pharmacological antidepressant therapy on remission frequency and severity of depression. A favorable efficacy/side-effect profile of selective serotonin reuptake inhibitors in general justifies their preferred use in patients with stroke. Data from smaller randomized controlled trials and a meta-analysis also indicate a positive effect of these pharmacological agents on neurological and functional outcomes after stroke, independent of coexistence of depression. Clinical trials, however, are currently investigating this effect in larger stroke patient populations. Antidepressant therapy after stroke should be carefully evaluated for possible pharmacological interactions as patients with acute stroke often suffer from vascular and metabolic disease, and are usually treated with multiple drugs.

Key words: stroke, depression, pharmacotherapy, drug interactions



Weiterbildungs-Curriculum
Gerd Laux, Soyen/Waldkraiburg/München, und Walter E. Müller, Worms/Frankfurt a.M.
Folge 2: Verhaltenspharmakologie und klinische Pharmakotherapie der Antidepressiva

Psychopharmakotherapie 2018;25:21–35.



Arzneimittelsicherheit/AMSP
Michael Schneider, Timo Greiner, Martin Heinze, Rüdersdorf/Neuruppin, Detlef Degner, Göttingen, Renate Grohmann, München, und Sermin Toto, Hannover
Kasuistik aus dem Projekt „Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie“ e. V. (AMSP)

Vermehrte Blutungsereignisse stellen eine mögliche Nebenwirkung einer Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) dar. Im folgenden Fall führte die Einnahme und Aufdosierung von Escitalopram bei einer Patientin zu einem vermehrten Auftreten von Hämatomen sowie einer verstärkten und verlängerten Regelblutung. Escitalopram, das S-Enantiomer des Racemats Citalopram, gilt als eines der Standardmedikamente in der Behandlung der Depression, generalisierter Angststörungen, Panikstörungen und weiterer Indikationen und wird wegen seiner guten Wirksamkeit bei günstigem Nebenwirkungsprofil als Erstlinientherapie breit eingesetzt.

Der vorliegende Fall wurde im Projekt „Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie“ (AMSP) dokumentiert und im Rahmen des Auswertungsprozesses bei regionalen und überregionalen Konferenzen beurteilt. AMSP beobachtet seit 1993 systematisch das Auftreten schwerer, neuer und ungewöhnlicher Arzneimittelnebenwirkungen von Psychopharmaka in der Behandlung stationärer Patienten [6].

Schlüsselwörter: Escitalopram, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI, Blutung, Blutungsneigung, AMSP

Psychopharmakotherapie 2018;25:36–9.

Bleeding tendency under escitalopram. Case-report from the project „Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie” (AMSP)

Increased bleeding is a possible adverse drug reaction of treatment with serotonin-reuptake inhibitors. Here we present a case in which the introduction of escitalopram and the increasing of the dosage led to increased occurence of hematomas and to an intensified and prolonged period. Escitalopram, the S-enantiomer of racemic citalopram, is regarded as one of the standard medications in the treatment of depression, generalized anxiety disorder, panic disorder, and other indications. It is commonly used as first line treatment due to its effectivity while having a good side effects profile.

The presented case has been documented in the project “Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie” (AMSP) and it has been evaluated in national conferences. Since 1993 AMSP systematically monitors the occurence of severe, new and unusual adverse drug reactions of psychopharmaceuticals in the treatment of inpatients [6].

Key words: Escitalopram, serotonin-reuptake inhibitors, SSRI, bleeding, bleeding tendency, AMSP



Holger Petri, Bad Wildungen*
Das Interaktionspotenzial der selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

Die drei selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Duloxetin, Milnacipran und Venlafaxin unterscheiden sich in ihrer Affinität zu den Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzymen. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu den Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.

Psychopharmakotherapie 2018;25:40–3.



Referiert & kommentiert
Reimund Freye, Baden-Baden
Komorbidität und Schwierigkeiten der Differenzialdiagnostik

Gerade die adulte Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer ganzen Reihe an Folgeerkrankungen vergesellschaftet, die sich, wie etwa ein Drogenabusus, im Rahmen einer Art von Selbstmedikation entwickelt haben können. Zum anderen existieren andere psychiatrische Erkrankungen wie Autismus-Spektrum-Störungen oder bipolare Störungen, die zuweilen ein ähnliches Symptommuster wie die ADHS aufweisen, aber ebenfalls komorbid auftreten können. Dies erschwert nicht nur die Diagnostik, sondern macht auch die Therapie komplexer. Auf einem Pressetalk vor dem Hintergrund des DGPPN/WPA World Congress of Psychiatry 2017 in Berlin thematisierten Experten diese Problematik und gaben Tipps zur Differenzialdiagnostik.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Behandlung mit Neuroleptikum-Benzodiazepin-Kombination

In einer kleinen randomisierten Studie mit Patienten im Finalstadium ihrer Krebserkrankung mit agitiertem Delir war die Kombination des Benzodiazepins Lorazepam mit dem Neuroleptikum Haloperidol besser wirksam als eine Haloperidol-Monotherapie.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Michael Koczorek, Bremen
Naltrexon/Bupropion-Kombination unterstützt bei der Gewichtsabnahme

Die medikamentöse Therapie mit der Fixkombination aus Naltrexon und Bupropion (Mysimba®) kann in Verbindung mit kalorienreduzierter Ernährung und vermehrter körperlicher Aktivität das Körpergewicht um bis zu 11,5 % vom Ausgangsgewicht reduzieren. Damit stellt das Präparat eine Erweiterung des therapeutischen Spektrums der Adipositas-Therapie dar, wie es auf einem Symposium der Cheplapharm Arzneimittel GmbH in Potsdam hieß.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Funktionelles Outcome intrazerebraler Blutungen unter oraler Antikoagulation

Die Analyse von drei großen Registern von Patienten mit Antikoagulanzien-induzierten intrazerebralen Blutungen zeigt, dass eine erneute Antikoagulation das Sterblichkeitsrisiko reduziert und das funktionelle Outcome verbessert.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Dr. Heike Oberpichler-Schwenk, Stuttgart
Forschung vom Zebrafisch bis zum Patienten

Stress, Angsterkrankungen und damit zusammenhängende Störungen standen im Mittelpunkt des WASAD-Kongresses, der im September 2017 in Würzburg stattfand. Das Themenspektrum reichte von der Grundlagenforschung über die klinische Forschung bis zu aktuellen Therapieempfehlungen.