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25. Jahrgang Heft 2 April 2018

Editorial
Prof. Dr. Hans-Jürgen Möller, München
Neueste NM ausreichend, um den Stand zur vergleichenden Wirksamkeit/Akzeptanz der Antidepressiva darzustellen?


Übersicht
Frank Häßler, Rostock, Christoph Hiemke, Mainz, und Thomas Glaser, Leverkusen
Therapeutischer Stellenwert des Antipsychotikums Zuclopenthixol

Menschen mit einer Intelligenzminderung besitzen im Vergleich zur normal intelligenten Allgemeinbevölkerung eine höhere Vulnerabilität für die Ausprägung komorbider bzw. koinzidenter somatischer und psychischer Störungen. Eine besondere interdisziplinäre Herausforderung stellt aggressives Verhalten dar, welches oft neben sozio- und psychotherapeutischen Interventionen auch der psychopharmakologischen Behandlung bedarf. Dabei kommen in erster Linie Antipsychotika zum Einsatz. Insbesondere für das Antipsychotikum der ersten Generation Zuclopenthixol liegen sowohl für Erwachsene als auch bei Kindern und Jugendlichen randomisierte doppelblinde Placebo-kontrollierte sowie auch einige offene Studien in diesem Indikationsbereich vor. Die Studienergebnisse bewiesen die signifikante Überlegenheit von Zuclopenthixol gegenüber Placebo bereits in niedrigen Dosierungen von im Mittel 10 mg/Tag. In einem Dosierungsbereich bis 20 mg/Tag sind einschränkende Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Damit wird Zuclopenthixol auch in der aktuellen Leitlinie für die Behandlung von aggressivem Verhalten bei Menschen mit Intelligenzminderung empfohlen.

Schlüsselwörter: Intelligenzminderung, Verhaltensauffälligkeiten, Aggressivität, Zuclopenthixol

Psychopharmakotherapie 2018;25:52–7.

Treatment of aggressive behavior in intellectually disabled patients. Therapeutic position of the antipsychotic zuclopenthixol

People with intellectual disabilities have a higher vulnerability to suffer from comorbid somatic or psychic disorders as compared to the general population. In particular, aggressive behavior is an interdisciplinary challenge, which often deserves social and psychotherapeutical interventions in addition to psychopharmacological treatment. For the latter, primarily antipsychotic drugs are used. Especially for the first-generation antipsychotic zuclopenthixol a number of both placebo-controlled double-blind and open label studies with adults as well as with children and adolescents have been performed in this indication. The results of these studies proved the superiority of zuclopenthixol over placebo already in mean dosages as low as 10 mg/day. In a dose range up to 20 mg/day limiting side effects are unlikely. Consequently, in the actual guideline zuclopenthixol is recommended for treatment of aggressive behavior in intellectually disabled patients.

Key words: Intellectual disability, behavioral disturbances, aggression, zuclopenthixol



Originalarbeit
Jürgen Fritze, Frankfurt a. M., Claudia Riedel, Angelika Escherich, Peggy Beinlich, Karl Broich und Thomas Sudhop, Bonn
Explorative Analyse anhand einer Vollerfassung der Abrechnungsdaten der Gesetzlichen Krankenversicherung

In einem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt wird der Off-Label-Use häufig verordneter Arzneimittel in einer Vollerfassung der Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung (Daten nach §§ 303a ff. SGB V) untersucht, um einerseits Erkenntnisse über seine Häufigkeit und Art zu gewinnen und andererseits Ansätze für gezielte Forschung für seltene Krankheiten gemäß dem Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) zu identifizieren. In den Jahren 2010 und 2011 variierte der Off-Label-Use der 25 untersuchten Neuroleptika zwischen 5 % (Benperidol) bis über 90 % (Fluspirilen); für Lithium lag er bei 8 %. Dieser war insbesondere bei schwach-potenten Neuroleptika mit symptomorientierter Formulierung der zugelassenen Anwendungsgebiete am ehesten unvollständigem Kodieren zuzuschreiben und galt im Wesentlichen einer Vielfalt anderer psychischen Störungen, bei Lithium insbesondere Schizophrenien. Lithium war mit Hypothyreosen assoziiert. Ansonsten zeigten sich keine Häufungen anderer Komorbiditäten, die auf spezifische Risiken hinweisen könnten. Als seltene Krankheiten, denen der Off-Label-Use gegolten haben konnte, wurden nur Chorea Huntington und frontotemporale Demenzen identifiziert, bei denen die Neuroleptika vermutlich Symptom-gesteuert eingesetzt wurden.

Schlüsselwörter: Antipsychotika, Neuroleptika, Lithium, Off-Label-Use, Nationales Aktionsbündnis für Menschen mit seltenen Erkrankungen, NAMSE

Psychopharmakotherapie 2018;25:58–68.

Neuroleptics: Spectra of prescribing and morbidity

In an ongoing project supported by the Federal Ministry of Health (BMG) off-label-use of pharmaceuticals with high prescription rates is investigated in a database comprising all citizens covered by public sick funds, i. e. some 89 % of the German population. The focus is on prevalences and indications as well as on the identification of off-label-use specifically addressing rare diseases in the context of the Action Plan of the National Action League for People with Rare Diseases (NAMSE). In the years 2010 through 2011 the off-label-use of the 25 neuroleptics investigated varied between 5 % (Benperidol) up to more than 90 % (Fluspirilen) and amounted to 8 % for Lithium. Apparent off-label-use could in part have been due to incomplete coding especially for low potency neuroleptics the labels of which tend to be oriented to symptoms rather than nosological entities and addressed a multitude of other psychiatric disorders, where schizophrenia dominated the off-label-use of Lithium. Lithium was associated with hypothyroidism. No further comorbidities potentially signaling specific risks were detected. Huntington’s disease and frontotemporal dementias were the only rare diseases detected putatively being addressed by the off-label-use.

Key words: Antipsychotics, neuroleptics, lithium, off-label-use, National Action League for People with Rare Diseases, NAMSE

Die PDF-Langfassung des Artikels.



Weiterbildungs-Curriculum
Hans-Peter Volz, Werneck, und Walter E. Müller, Worms/Frankfurt a. M.
Teil 3: Pharmakologie und klinische Psychopharmakotherapie der Tranquilizer/Anxiolytika

Psychopharmakotherapie 2018;25: 69–75.



Arzneimittelsicherheit/AMSP
Holger Petri, Bad Wildungen*
Das Interaktionspotenzial der Coxibe (COX-2-Hemmer)

Die drei Coxibe (COX-2-Hemmer) Celecoxib, Etoricoxib und Parecoxib unterscheiden sich in ihrem Metabolismus durch die Cytochrom-P450(CYP)-Isoenzyme 2C9 und 3A4. In der Interaktionstabelle (Tab. 1) wird das Verhalten der Substanzen zu den Cytochrom-P450-Isoenzymen dargestellt.

Psychopharmakotherapie 2018;25:76–8.



Referiert & kommentiert
Dr. Maja M. Christ, Stuttgart
Antidepressiva: Wirksamkeit und Akzeptanz schwanken im Head-to-Head-Vergleich

Die Major Depression gehört zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen bei Erwachsenen. Die eingesetzten Antidepressiva stammen aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen. Doch welche sind am wirksamsten und am besten verträglich? Die Autoren einer im Lancet erschienenen Metaanalyse verglichen Studien mit Antidepressiva untereinander.



Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg
Esketamin intranasal als neue Behandlungsoption

Etwa ein Drittel der Patienten mit depressiven Episoden reagieren nur unzureichend auf die bisher verfügbaren Antidepressiva. Die Adressierung des glutaminergen Systems mit intranasalem Esketamin könnte diesen Patienten helfen. In einer Phase-II-Studie zeigte der nasal applizierte NMDA-Rezeptorantagonist dosisabhängige Effekte innerhalb von nur kurzer Zeit.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Solanezumab bei Alzheimer-Erkrankung nicht wirksam

Der monoklonale Antikörper Solanezumab gegen Amyloid-beta (Aβ) ist bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung nicht in der Lage, das Fortschreiten der kognitiven Störungen signifikant zu verbessern.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen
Idalopirdin in Kombination mit Cholinesterasehemmern nicht wirksam

Bei Patienten mit beginnender bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung ist der selektive Serotonin-6-Rezeptorantagonist Idalopirdin zusätzlich zu Cholinesterasehemmern nicht in der Lage, kognitive Funktionsstörungen zu verbessern. Das zeigen die Ergebnisse von drei randomisierten klinischen Studien.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Behandlung der Apathie bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung

Bei männlichen Patienten mit Apathie im Rahmen einer leichten Alzheimer-Erkrankung verbessert eine 12-wöchige Behandlung mit Methylphenidat die Symptome der Apathie und den funktionellen Status.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen



Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen
Aripiprazol geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit?

Wie für andere psychoaktive Wirkstoffe liegen für die Einnahme von Aripiprazol in Schwangerschaft und Stillzeit keine endgültigen Beweise für eine völlige Unbedenklichkeit vor. Neuere Sicherheitsdaten sprechen jedoch dafür, dass der mögliche Nutzen bei Patientinnen mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen die möglichen Risiken aufwiegen könnte.



Abdol A. Ameri, Weidenstetten
Erste Phase-III-Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ozanimod

Der neue Immunmodulator Ozanimod gehört zur Gruppe der Sphingosin-1-phosphat-(S1P-)Rezeptormodulatoren. Die kleinmolekulare Substanz bindet selektiv an die S1P-Rezeptorsubtypen 1 und 5. Auf dem ECTRIMS-ACTRIMS-Kongress 2017 wurden erstmals die Ergebnisse von zwei großen, aktiv kontrollierten Phase-III-Studien bei Patienten mit schubförmiger multipler Sklerose (MS) vorgestellt, in denen Ozanimod 0,5 mg/Tag und 1 mg/Tag mit Interferon beta-1a (IFN-β 1a) 30 µg einmal wöchentlich verglichen wurde. Der neue orale S1P-Rezeptormodulator führte zu einer gegenüber IFN-β statistisch signifikanten Reduktion der jährlichen Schubrate und war auch in Bezug auf die Läsionslast im MRT und die Minderung der Hirnatrophie überlegen. Die Inzidenz von unerwünschten Ereignissen war in allen Studienarmen vergleichbar. Die Behandlung mit Ozanimod war nicht mit einem erhöhten kardialen Risiko assoziiert.



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Einsatz von Rituximab zur Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose

In einer retrospektiven Kohorten-Studie aus Schweden war Rituximab anderen krankheitsmodulierten Therapien bei der schubförmigen multiplen Sklerose (MS) überlegen und führte signifikant seltener zum Behandlungsabbruch wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen



Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen
Kombinationstherapie von Zonisamid und Levodopa für Patienten mit Parkinson-Syndrom

Die zusätzliche Gabe von Zonisamid zu Levodopa führte in einer kleinen Phase-II-Studie zu einer Verbesserung von Parkinson-Symptomen bei der Demenz mit Lewy-Körperchen, ohne kognitive Funktionen zu verschlechtern oder psychiatrische Nebenwirkungen hervorzurufen.

( Mit einem Kommentar von Prof. Dr. H.-C. Diener, Essen